Manager

Sie waren über 20 Jahre bei ThyssenKrupp in Führungspositionen, 2018 haben Sie dann gekündigt und sind bald als selbstständiger Interimsmanager in die Schweiz gegangen. Warum dieser Sprung ins kalte Wasser?

Ich will und wollte nie nur in meiner Komfortzone bleiben, sondern mich selbst herausfordern. Als Interimsmanager ist jeder Auftrag ein komplett neues Szenario. Sich da einzuarbeiten, Probleme zu verstehen und Lösungen zu erarbeiten, die einen Mehrwert bieten, das begeistert mich.

Warum haben Sie dann 20 Jahre auf diesen Schritt gewartet?

Ich habe auch bei ThyssenKrupp immer Projekte betreut, die ein solches Anforderungsprofil hatten. Weltweit habe ich mich um Desinvestitionen und Akquisitionen gekümmert. Anstatt das immer für die gleiche Firma zu machen, biete ich meine Expertise heute eben allen Unternehmen an, die einen neutralen Akteur von außen brauchen, um eine schwierige Transformation zu managen.

Ist so eine konstante Arbeit in unternehmerischen Ausnahmesituationen nicht extrem anstrengend?

Nicht, wenn man es richtig macht. Ich bin zwar von Haus aus Kaufmann und kenne mich gut mit Themen wie Controlling, Accounting, Rechnungslegung aus. Das bedeutet aber nicht, dass ich mich nur auf die Zahlen fokussiere. Sie können eine Firma gar nicht auf den rechten Pfad zurückführen, wenn die Mitarbeiter nicht loyal bleiben und keinen Spaß bei der Arbeit haben.

Gerade in Krisenzeiten ist Spaß an der Arbeit schwer zu finden.

Es ist aber nicht unmöglich. Meinen ersten Job dieser Art hatte ich vor über 20 Jahren in Philadelphia. Es ging darum, ein Pressenwerk abzuwickeln. Jetzt sollte man denken, dass die Leute da resigniert waren und nur noch ihre letzten Arbeitstage absaßen. Dem war aber gar nicht so. Ich habe sie mit Respekt behandelt und ihnen gezeigt, dass sie „ihr“ Werk zu einem würdevollen Ende bringen können. Am Ende haben sie auf eigenen Wunsch noch die letzten Maschinen selbst abgebaut.

Also sind Sie vom Controller zum Menschenfänger geworden?

Zahlen, Fakten und Tabellen sind nach wie vor mein Brot und Butter. Und Sie sind auch der beste Weg, um ein Unternehmen zu verstehen. Aus den Zahlen kann ich herauslesen, was schiefläuft und wie ich es beheben kann. Aber die breite Belegschaft davon zu überzeugen, dass mein Weg auch der richtige ist, geht dann nicht nur mit Zahlen. Da heißt es dann auch mal, sich in die Kantine zu setzen und einen Draht zu den Ingenieuren und Arbeitern am Band aufzubauen.